Ungebetene Besucher im Kleiderschrank

Voriges Wochenende habe ich meinen Kleiderschrank umgestellt. Jede Frau weiß, dass diese Formulierung nicht bedeutet, ich hätte meinen Schrank von A nach B geschoben – was übermenschlich bzw. höchst aufwändig und mit Umbaumaßnahmen verbunden gewesen wäre, nennt sich der meine doch „begehbar“ – sondern wir sprechen von jener mehr oder weniger geliebten oder ungeliebten Handlung, die in unseren Breiten jahreszeitlich bedingt üblicherweise im Oktober und im April stattzufinden hat.

Die langen, wallenden, figurumschmeichelnden seidigen Gewänder, die herrlich leichten weiten Hosen und duftigen Blusen, die Pullover, die nie angezogen werden, sondern nur zur Zierde sanft über Schultern liegen, all die zarten Träume in hellen Farben, sie dürfen nun in den wohlverdienten Winterschlaf.

Was zum Vorschein kommt ist ein dunkelbraunblaugrauschwarzer dicker Pampf. Vorsichtig hole ich Stück für Stück aus der Sommerfrische zurück und wundere mich darüber, welche Seltsamkeiten ich besitze. Die Modeschau beginnt. Was passt noch? Als ich in die erste Hose schlüpfe, stelle ich entsetzt fest, dass sie wieder da waren. Alle Maßnahmen, Lichtschranken, Duftsprays, Holzkugeln, Tretminen – nichts hat geholfen. WARUM? Und warum IMMER ich? WARUM?

Es handelt sich um Verdrängung, denn natürlich weiß ich, dass sie da waren. Man hört sie ja. Leise zwar, aber doch. Es ist ein ganz bestimmtes Fiepen, wie ein zartes Zwitschern, so wie sie sich eben benehmen, wenn sie sich freuen. Außerdem hinterlassen sie Spuren. Den ganzen Sommer über waren feine Fäden zu finden und immer wieder habe ich mich gefragt, wieso sie ihren Dreck nicht selber wegräumen, wenn sie mich schon so ärgern.

Wir kennen diese alten Filme, in denen die Burgfräuleins sich vor dem Kamin versammeln, um gemeinsam zu sticken. Genau so beschaulich, nur ohne Kamin, ist`s während der warmen Jahreszeit in meinem Kasten. Da sitzen sie gemütlich auf den Jeans, jede mit ihrem süßen kleinen Nähzeug und es wird fröhlich gewerkelt. Ein bissl enger nähen um die Hüfte, ein paar Zentimeter um die Mitte gehen auch noch. Und da! Seht Ihr den Rock? Ja, ja, ein weites Feld an Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben. Das Motiv? Ich nehme an, Rache. Für all die herrlichen Eisbecher, Vino rosso di Bluzzo, Käse, Steaks, frisches, knuspriges Brot… Das Rezept gegen die Unruhestifter im Schrank ist einfach: Kräutertee, Magertopfen, gedünsteter Fisch und ab und zu eine Erbse als Beilage. Dann sind diese Kalorien schnell verschwunden und suchen sich ein anderes Opfer! Einzelberatungen sind jederzeit bei mir buchbar. Vor allem angesichts der ersten Schokonikoläuse, die ich soeben im Geschäft entdeckt und tapfer nicht mit nach Hause genommen habe 🙂

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